Equisetum arvense oder der Ackerschachtelhalm
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Reich Plantae
Unterreich Tracheobionta (Gefäßpflanzen)
Abteilung Pteridophyta (Gefäßsporenpflanzen)
Unterabteilung Sphenophytina (Schachtelhalmähnliche)
Klasse Sphenopsida (Schachtelhalme)
Ordnung Equisetales
Familie Equisetaceae (Schachtelhalmgewächse)
Maße 10-50cm
Vorkommen In ganz Mitteleuropa weit verbreitet, aber auch in Mexiko und eingeschleppt in Neuseeland.
Schutzstatus siehe hier

 

Allgemeines
Der Name Schachtelhalm rührt daher, dass sich die Pflanzen an ihren scheidenartigen Blattquirlen auseinander ziehen lassen. Dies hängt damit zusammen, dass an diesen Stellen so genannte Restmeristeme (Bildungsgewebe) ausgebildet sind, die kaum Festigungselemente enthalten. Bei Zugbeanspruchung reißen die Achsen an diesen Stellen zuerst.
Entwicklungsgeschichtlich gesehen ist der Acker-Schachtelhalm eine sehr alte Pflanze. Die Gattung Equisetum kann man als Reduktionsform einer einstmals grossen und vielfältig gestalteten Pflanzengruppe betrachten, der auch die Calamiten des Karbon und Perm angehörten. Wegen seines hohen Gehaltes an Kieselsäure wurde der Ackerschachtelhalm früher zum Putzen von Zinn verwendet, daher ist die Pflanze auch als Zinnkraut bekannt; aber auch allgemein wurde er als Reinigungsmittel von Geschirr verwendet. Darauf begründen sich auch einige seiner zahlreichen Namen: Dubockkraut - Fegekraut - Katzenschwanz - Pferdeschwanz - Rosshaar - Schachtelhalm - Schaftelen - Scheuergras - Scheuerkraut.

Der Ackerschachtelhalm ist formenreich und ökologisch gesehen gut angepasst; er tritt häufig auf Sand- und Lehmböden auf, bevorzugt dabei jedoch grundwassernahe, sonnige Standorte. Da das Rhizom in Tiefen von bis zu zwei Metern vorzudringen vermag, die mit herkömmlichen Bodenbearbeitungsgeräte nicht mehr erreicht werden, gilt er seit je her als eines der lästigsten “Unkräuter“.
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Erscheinungsformen
Die Gattung Equisetum gehört zu den Pteridophyten, bei denen die Fortpflanzung in zwei sich abwechselnden Generationen unterteilt ist. Die eine Generation bringt die Gameten hervor (Gametophyt), die andere die Sporen (Sporophyt) - das, was dabei allgemein als Schachtelhalm bekannt ist, ist der Sporophyt; hier muss bei E. arvense zusätzlich unterschieden werden: Der sterile Sporophyt kommt ab Anfang Mai vor, hat die Aufgabe der Photosynthese (Trophophyt), einen gefurchten Stengel, eine grüne Färbung und einnervige, sehr schmale Blätter, die an den Nodien quirlartig entspringen. Häufig kommen auch Seitentriebe vor, an denen ebenfalls quirlige Blätter sitzen.
Bild rechts oben: Sporophyt   -   Bild rechts unten: Trophophyt
Der Sporophyll, also der fertile Ackerschachtelhalm, ist schon im April zu treffen. Er ist viel unscheinbarer als der Trophophyll, von brauner Färbung, ohne quirlige Blätter und besitzt entständig ein Sporangium.
Bild links: Equisetum arvense
Schachtelhalme kommen häufig vergesellschaftet vor, was eine Unterscheidung der einzelnen Arten erschwert. Am häufigsten wird der Ackerschachtelhalm mit E. palustre, dem Sumpfschachtelhalm verwechselt. Es gibt allerdings einen recht auffälligen morphologischen Unterschied:
Bei Equisetum arvense ist das erste Internodium des Seitentriebes länger oder so lang wie die Stengelscheide am Hauptspross, bei Equisetum palustre deutlich kürzer.
Bild rechts: Equisetum palustre
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Fortpflanzung
Die Fortpflanzung erfolgt über einen heteromorphen, heterophasischen Generationswechsel.
Die in den Sporangien des Sporophyten produzierten Sporen werden bei trockenem Wetter freigesetzt. Da sie mit jeweils 4 Hapteren, feinen Bändern, ausgestattet sind, können sie über den Wind verbreitet werden. Meistens haken sich über die Hapteren mehrere Sporen ineinander, was von hoher Wichtigkeit ist.
Schachtelhalme sind monözisch, das heißt eine Spore kann nur männliche oder weibliche Befruchtungsorgane ausbilden. Landen die Sporen an einem geeigneten (feuchten) Platz, keimen sie aus und bilden etwa pfenniggroße Prothallien, auf denen sich entweder Antheridien (aus Oberflächenzellen im Spitzen- oder Randbereich; männlich) oder Archegonien (aus Oberflächenzellen der Prothallien-Unterseite, weiblich) ausbilden. Die im Antheridium gebildeten Spermatozoiden werden chemotaktisch durch die Eizellen der Archegonien angelockt und „schwimmen“ mit ihren Geißeln zu ihnen hin. (Voraussetzung für die Verschmelzung ist also ein feuchtes Klima!)- es kommt zur Zygote (Beginn der Diplophase, erste Generation).
Direkt auf dem Prothallium wird dann die uns bekannte Pflanze gebildet- es entsteht zunächst ein Haustorium (Fuß), der die Versorgung gewährleistet, anschliessend Wurzel,- Stamm- und Blattscheitel.
Generationszyklus
Legende
A= Spore mit Hapteren B = Prothallien mit Antheridium, Archegoniem C+D+E = Sporophyten (C+D = sterile Sporophyten; E = fertiler Sporophyt)
Hieraus entstehen bald erste Wurzel, die Sprossachse und die Blätter. Wenn sich die Pflanze selbst ernähren kann, geht das Prothallium zugrunde. In den Sporangien der Sporophylle der entstandenen Pflanze werden nun Sporen gebildet. Der Sporenbildung geht eine Meiose hervor; es handelt sich um Haplosporen. (2. Generation, Haplophase – Prothallien sind also haploid!). Interessant ist hier, dass es größere und kleinere Sporen gibt, aus denen man bereits bestimmen kann, was sie bilden werden: aus kleineren Sporen werden kleinere Prothallien, die Antheridien bilden, aus größeren größere Prothallien, die Archegonien bilden.
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Weiterer Gebrauch
Schon während des Altertums, aber auch heute wird der Ackerschachtelhalm als Heil- oder Pflegemittel verwendet, so zum Beispiel als harntreibendes Mittel bei Ödemen, zur Durchspülung der Nieren und der Blase bei Entzündungen und bei Nierengriess. Zusätzlich soll er eine wundheilungsfördernde Wirkung haben. Ausserdem sind in den meisten Haar- und Hautpflegemitteln Extrakte von E. arvense vorhanden.
Der Ackerschachtelhalm kann auch mit seiner algenhemmenden Wirkung als biologische Schädlingsbekämpfung genutzt werden; dabei wirkt er nicht schädlich auf die umgebende Fauna.
Er ist auch bei Mehltau-Befall einsetzbar.
Sporokarp
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Toxizität
Der Ackerschachtelhalm enthält in der ganzen Pflanze etwa 0,1% des Alkaloides Palustrin. Vergiftungen wurden bisher nur bei Tieren beobachtet (Taumelkrankheit bei Pferden). Summenformel Palustrin: C17H31N3O2
Molmasse: 309,4g/mol
Bild rechts: Lewis-Valenz-Formel von Palustrin

Schutzstatus

Der Ackerschachtelhalm ist eine weit verbreitete einheimische Pflanze. Nach der „Verordnung zum Schutz wildlebender Tier- und Pflanzenarten“ (Bundesartenschutzverordnung – BArtSchV) vom 18.09. 1989 gehört er nicht zu der Liste der geschützten Arten.
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Quellen
Schmeil-Fitschen, Flora von Deutschland und angrenzender Länder, 91. Auflage
http://golfbaer.gmxhome.de/schachtelhalm.htm
http://planto.de/gefaessdaten.php?nr=3847
http://www.g-netz.de/Health_Center/heilpflanzen/ackerschachtelhalm/ackerschachtelhalm.shtml
http://nafoku.de/flora/equisetaceae/index.htm
http://www.net-garden.de/Foto-Seiten/Schachtelhalm.html

 

Silvia Schmoock, Juni 2004


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