Toxoplasma gondii
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Reich Protozoa
Stamm Apicomplexa
Klasse Kokzidien
Ordnung Eimeriida
Familie Sarcocystidae
Vorkommen weltweit
Meldepflicht ja
Bild rechts: Tachyzoiten von Toxoplasma gondii (wikipedia.org)

 

Allgemeines

Toxoplasma gondii ist ein parasitischer Protozoon mit weltweiter Verbreitung und einer der höchsten Prävalenzen bei Menschen und Tieren. Die Durchseuchungsrate ist v.a. in gemäßigten-temperierten Gebieten hoch, in trockenen-kalten eher sehr gering bis nicht vorhanden, da hier die Voraussetzungen für bestimmte Vorgänge im Entwicklungszyklus des Parasiten ungünstig sind.
Zur Zeit ist ca. 1/3 der Weltbevölkerung infiziert. Die Infektion verläuft zwar zumeist symptomlos, kann jedoch v.a. bei immunsuppremierten Personen und Feten erhebliche Schäden verursachen.

Exkurs Parasitologie

Heteroxene Parasiten durchlaufen die Entwicklung mit einem oder mehreren Wirtswechseln. Der Wirt kann gleicher Art oder unterschiedlicher Art sein. Kann der Entwicklungszyklus nicht ohne einen Wirtswechsel abgeschlossen werden, spricht man von obligater Heteroxenie.


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Lebenszyklus

T. gondii hat als fakultativ heteroxener Parasit Katzen und katzenartige Tiere als Endwirt. Zwischenwirte sind warmblütige Tiere (Mammalia, Aves) und Menschen, es kann nahezu jeder Zelltyp befallen werden.
Der Lebenszyklus umfasst drei infektiöse Stadien: Tachyzoiten, Bradyzoiten in Gewebezysten, Sporozoiten in sporulierten Oocysten.

Entwicklung im Zwischenwirt:

Der Zwischenwirt nimmt die vom Endwirt ausgeschiedenen sporulierten Oocysten aus der Umwelt auf. Im Zwischenwirt werden die darin befindlichen Sporozoite frei und dringen aktiv in kernhaltige Wirtszellen ein. Hier erfolgt die Bildung und Vermehrung der Tachyzoiten.
In der frühen Vermehrungsphase vermehren sich Tachyzoiten sehr schnell durch ungeschlechtliche Endodyogenie. In der Wirtszelle umgeben sich Tachyzoiten mit einer Parasitophore, sie verhindert die Zerstörung des Erregers durch das Immunsystem. Die Vermehrung findet solange statt, bis die Wirtszelle platzt und die Tachyzoiten entlässt.
Dann kommt es zur Stadienumwandlung: es werden Gewebecysten gebildet, in denen sich die Tachyzoiten zu Bradyzoiten umwandeln. Auch die Bradyzoiten vermehren sich, allerdings nur langsam durch Endodyogenie (späte Vermehrungsphase).
Gewebecysten haben eine hohe Affinität zum ZNS und Muskelgewebe und können dort sehr lange verbleiben (Dauerstadium).
Beim Verzehr von Fleisch mit Cysten kann es zur Infektion des Zwischenwirtes kommen.

Entwicklung im Endwirt:

Werden die Gewebezysten bzw. Bradyzoiten vom Endwirt aufgenommen, kommt es erneut zu einer ungeschlechtlichen Vermehrung durch Endodyogenie gefolgt von Endopolygenie in Epithelzellen des Dünndarms.
Daran schließt sich, ebenfalls in Epithelzellen des Dünndarms, eine sexuelle Phase mit Gamogonie und Oocysten-Bildung an. Diese Oocysten werden dann in das Darmlumen entlassen und sofort mit dem Kot ausgeschieden. Dieses Stadium ist noch nicht infektiös!
Erst wenn die Oocyste den Darm verlassen hat, wird, wenn günstige Umweltfaktoren (feucht, warm, Luftzirkulation) vorherrschen, die Sporogonie ausgelöst und in den Oocysten entstehen zwei Sporocysten mit je vier Sporozoiten. Erst dieses Stadium ist infektiös.

Merke: alle drei genannten infektiösen Stadien können sowohl Endwirt als auch Zwischenwirt infizieren!


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Risikogruppen
  • Nicht immunkompetente, schwangere Frauen, bzw. die Feten
  • Immundefiziente, -suppremierte Menschen (HIV, Hodkin`s desease, Transplantations-Patienten). Hier können bei einer latenten Infektion Dauerstadien reaktiviert werden.
  • Congenitale Toxoplasmose (prenatale Infektion)

Infiziert sich eine Frau während der Schwangerschaft erstmals mit T. gondii, so kann dies folgende Folgen haben:

  • 10% der Neuinfektionen mit T. gondii lösen einen Abort aus.
  • Feten seronegativer Frauen, die sich im ersten Trimester der Schwangerschaft erstmals mit T. gondii infizieren, können schwere Schäden aufweisen. Allerdings erfolgt die Übertragung des Erregers auf den Feten im ersten Trimester nur in 15% aller Fälle.
  • Bei Feten seronegativer Frauen, die sich spät in der Schwangerschaft infizieren, ist die Übertragung des Parasiten auf den Fetus sehr häufig (60%), die Schäden aber weniger schwer.
  • Im Falle einer prenatalen Infektion treten in 10-23% der Fälle klinische Symptome auf und können klassische neuronale Schäden oder unspezifische Symptome umfassen.
  • 67-80% der Kinder sind bei der Geburt klinisch inapparent, erkranken aber im Laufe der Jahre an Augen, Gehör, ZNS o.ä.

Toxoplasmose bei immundefizienten Menschen führt häufig zu einer Encephalitis.


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Epidemiologie

Die Übertragung von Toxoplasmen auf den Menschen wird durch verschiedene Wege erreicht.
Image Source: KQED QUEST - Some rights reserved.

Durch die konventionelle Mast bei Schweinen und Geflügel ist die Seroprävalenz auf 0,02% abgesunken, daher ist der Verzehr von konventionell hergestelltem Fleisch eher unbedenklich. Bei ökologischer Haltung steigt der Infektionsgrad wieder an (Zugang zu Erregern), daher sollte man beim Verzehr auf untenstehende Präventionen achten. Ein infiziertes Schwein kann 300-400 Menschen infizieren.
Andere Weidetiere wie Schafe oder Ziegen erreichen eine Seroprävalenz von bis zu 90%, auch hier sollten präventive Maßnahmen ergriffen werden.
Zu der hohen Prävalenz beim Menschen reicht aber die Infektion über das Fleisch von Nutztieren allein nicht aus, zumindest in Deutschland (sh. Prävalenz bei Schweinen, Verzehr von Schaf und Ziege gering), bei Rindern findet man nahezu keine Gewebezysten (unterschiedliche Frequenz der Gewebecysten).
Eine zusätzliche Übertragung erfolgt über den Endwirt Katze: Eine Katze kann zwar nur einmal Oocysten ausscheiden, nämlich bei der Erstinfektion (anschließend sind sie immun und es kommt zu keiner Ausscheidung mehr). Allerdings werden bei der Erstinfektion pro Katze 104-108 Oocysten ausgeschieden.

Nicht alle Oocysten sporulieren, aber die Tenazität (Widerstandsfähigkeit des Erregers gegenüber Umweltbedingungen) von sporulierten Oocysten beträgt bis zu zwei Jahren. In der Zeit werden sie durch Wind, Regen, Würmern usw. verteilt und können wieder von Zwischenwirten (Weidetiere) aufgenommen werden. -> Gewebecysten -> Verzehr von Fleisch -> Infektion Mensch.


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Präventionen

Beim Verzehr von Fleisch sollte darauf geachtet werden, dass es durchgebraten und nicht roh oder rosa ist, da die Gewebecysten mindestens 10 min. eine Temperatur von 70°C haben müssen, damit sie abgetötet werden. Nach Arbeiten mit rohem Fleisch oder Erdboden sollten Hände und Arbeitsutensilien gründlich gewaschen werden.
Bei der Arbeit mit Erdboden und beim Säubern des Katzenklos sollten Handschuhe getragen werden.
Frauen, die eine Schwangerschaft planen oder schwanger sind, sollten prüfen lassen, ob sie seropositiv oder seronegativ sind. Negativ getestete sollten Präventivmaßnahmen ergreifen.
Immunschwache Menschen sollten sich ebenfalls testen lassen und bei positivem Befund Medikation einleiten, da eine ernste Toxoplasmose droht.


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Quellen
Tenter, A.M., Heckeroth, A.R., Weiss, L.M.: Toxoplasma gondii: from animals to humans - International Journal for Parasitology 30 (2000), S. 1217-1258
Fotos
Wikipedia
Flickr

 

Elke Sedlak, Februar 2008


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