Eciton burchelli oder die Tropische Armee-Ameise
Style switch
   
subMinc
 
subSilver
   
Printerfriendly
Reich Animalia

Schematischer Aufbau einer Ameise
Stamm Arthropoda
Klasse Insecta
Ordnung Hymenoptera
Familie Formicidae
Vorkommen Süd- und Mittelamerika
Besonderheiten Nomadische Ameisenart mit enorm großen Kolonien

 

Einleitung
Wander-, Treiber- oder auch Heeresameisen genannt gibt es in den tropischen und subtropischen Gebieten der Erde. Es gibt drei Unterfamilien; Ecitoninae, Dorylinae und Aenictinae, von denen nur die Ecitoninae, zu denen Eciton burchelli zählt, im feuchtwarmen Südamerika und Mittelamerika auftreten. Sie ist eine tagaktive und relativ gut erforschte Ameisenart, welche epigäisch, also am Boden lebt und keine festen Nester baut. Treiberameisen sind stark nomadisch und es ist daher bisher nicht gelungen, die Tropische Armee-Ameise in Gefangenschaft zu halten. Als Lebensraum bevorzugen sie Waldgebiete, wandern auf Nahrungssuche jedoch auch auf Freiflächen sowie Agrarflächen aus.
top
Habitus und Kolonie

Eciton burchelli weist einen Polymorphismus innerhalb der Arbeiterinnen auf. Die Arbeiterinnen variieren in ihrer Größe von 22 bis 26 mm und in der Farbe von stark goldig bis dunkelbraun. Es gibt große Arbeiterinnen mit enormen Mandibeln und einige kleinere Zwischenformen. Die Soldaten sind ca. 28 bis 32 mm groß, die Königinnen 22-30 cm. Alle adulten Ameisen dieser Art haben äußerst lange Beine, was ihnen ein spinnenartiges Aussehen verleiht. Die Tiere besitzen Facettenaugen mit Einzelfacetten, einen doppelt segmentierten Bauch, einen gut ausgebildeten Stachel und spezielle tarsale Haken, mit denen sich einzelne Tiere aneinander haken können (s.u.). Die Königin besitzt keine Flügel, ihr Körper ist arbeiterinnen-ähnlich, sie ist daher eine Dichthadiigyne. Eine Ameisenkolonie dieser Art erreicht vermutlich Größen von 100.000 bis 2.000.000 adulten Individuen, jede Kolonie besteht aus einer Königin (monogyn), einer Brut mit Larven und einer Mehrheit aus adulten Arbeiterinnen.

Illustration eines Soldaten mit charakteristischen Beißwerkzeugen
 
top
Von Biwaks und Brücken
Die Tropische Armee-Ameise baut kein Nest im eigentlichen Sinne. Sie baut dagegen lebendige Biwaks. Hierbei haken die Tiere sich mit ihren Beinen ineinander und bilden ein knäulartiges, gutstrukturiertes Nest aus lebenden Ameisen. Die älteren Tiere befinden sich dabei außen, die jüngeren innen. Im Inneren befinden sich Gänge sowie Kammern zum Lagern der Nahrung und der Brut und als Schutz der Königin. Die Biwaks werden meist an Baumstämme angelehnt oder über selbstgegrabene Gruben gebaut. Es gibt einige Staaten, die ihre Biwaks mehrere Meter über dem Boden auf Bäume bauen. In der Regel bleiben die Ameisen jedoch am Boden. Auf die gleiche Bauweise kann Eciton burchelli Brücken und Flöße bauen, um bei der Wanderung z.B. Flüsse zu überqueren. Es wurde beobachtet, dass einzelne Tiere Löcher auf den Wanderwegen, sogenannte Schlaglöcher,
Drei Ameisen transportieren einen toten Gecko
mit ihrem eigenen Körper „stopfen“. Wenn sich zwischen Beute und Nest Unebenheiten befinden, Transportgeschwindigkeit der Ameisenstraße herabsetzen, die die so setzen sich einzelne Ameisen, die die Größe der Löcher vorher prüfen, in diese Löcher hinein und bilden lebende Brücken für die transportierenden Ameisen. Wenn bei Dämmerung der Ameisenverkehr abnimmt, verlassen die Tiere die Löcher und kehren zum Nest zurück. Größere Löcher werden ggf. brückenartig von mehreren aneinandergehefteten Individuen „gestopft“.
top
Nomadische und Stationäre Phase, Raubverhalten

Tropische Armee-Ameisen sind wie erwähnt nomadische Tiere, welche ihr Nest in der Regel täglich wechseln. Dies ist notwendig, um die enorm große Individuenzahl mit Nahrung zu versorgen. In der nomadischen Phase wandern die Tiere tagsüber umher und fangen Beute und bauen in der Dämmerung ihr Biwak. Bei ihren Raubzügen werden die Arbeiterinnen oft von Vögeln wie Ameisenvögeln oder Drosselarten begleitet, welche sich von durch die Ameisen aufgescheuchten Insekten ernähren. Eciton burchelli praktiziert bei den Raubzügen einen sogenannten Schwarmüberfall, bei der die Tiere einen meist von Soldaten überwachten Hauptweg haben, von dem doldenartig kleine Seitenwege abzweigen, die die Arbeitereinnen in kleinen Gruppen ablaufen. Die Seitenwege liegen nah beieinander und überkreuzen sich häufig, wodurch ein großes Areal abgedeckt werden kann. Die Spannweite der Seitenwege kann 15 bis 20 Meter umfassen. Diesem Schwarmüberfall gegenüber steht der von anderen Arten praktizierte Spaltenüberfall.

Treiberameisen mit erbeuteter Heuschrecke
Hierbei schwärmen die Tiere auf zahlreichen vom Hauptweg abzweigenden Seitenwegen aus. Der Aufbau erinnert mehr an einen Baum als an eine Dolde und die Seitenwege sind weiter voneinander entfernt. Die Nomadische Phase dauert ca. 11 bis 16 Tage. Diesem Schwarmüberfall gegenüber steht der von anderen Arten praktizierte Spaltenüberfall. Hierbei schwärmen die Tiere auf zahlreichen vom Hauptweg abzweigenden Seitenwegen aus. Der Aufbau erinnert mehr an einen Baum als an eine Dolde und die Seitenwege sind weiter voneinander entfernt. Die Nomadische Phase dauert ca. 11 bis 16 Tage.

Auf jede nomadische Phase folgt eine stationäre Phase. In der stationären Phase wird nur noch die Königin gefüttert. Die Larven beginnen sich in Kokons zu verpuppen. Der Hinterleib der Königin schwillt stark an, was man Psychogastrie nennt. In Folge legt die Königin die Eier ab, die zum gleichen Zeitpunkt schlüpfen, wenn die neuen adulten Arbeiterinnen die Kokons verlassen. Die stationäre Phase endet hiermit nach ca. 3 Wochen. Die Männchen können ohne Gefahr zu laufen zu einer anderen Kolonie derselben Art überlaufen und dort die Königin begatten. Die Königin zieht mit einem Teil der Kolonie weiter, während der Rest getötet wird.
top
Nahrung
Als Nahrung dienen jegliche Form von Arthropoden, also Insekten, Spinnen, sogar giftige Vogelspinnen und die Larven fremder Ameisenkolonien. Eciton burchelli überfällt auch kleine Wirbeltiere wie Schlagen, Eidechsen oder Jungvögel. Dieses Verhalten diente vermutlich als Vorlage für den Horrorfilm Marabunta, bei denen sogenannte „Killerameisen“ Menschen angreifen und töten.
top
Quellen
  • www.ameisenhaltung.de 28.10.'07
  • animaldiversity 28.10.'07
  • www.wissenschaft.de 28.10.'07
  • de.wikipedia.org 28.10.'07
  • en.wikipedia.org 28.10.'07
  • Fotos
  • www.wikipedia.de 28.10.'07
  •  

    Jessica Heemcke, Oktober 2007


    ->..oftheweek..-Index
    -> Disclaimer
    -> top
    Konzept und technische Umsetzung: S. von den Berg