Teil 1/2
Atractosteus tropicus
oder der Mittelamerikanische Knochenhecht
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Teil 1: Einleitung & Merkmale - Teil 2: Nahrung, Fortpflanzung, Nutzung
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Reich Animalia
Stamm Chordata
Klasse Pisces (Fische)
Unterklasse Actinopterygii (Strahlenflosser)
Abteilung Ginglymodi (Alligatorfische)
Ordnung Lepisosteiformes (Knochenhechtartige)
Familie Lepisosteidae (Knochenhechte)
Vorkommen Mittelamerika von Mexiko bis Costa Rica (siehe hier)
Schutzstatus Nicht in der IUCN-Red List

 

Der Knochenhecht - ein lebendes Fossil

Die Knochenhechte sind eine sehr ursprüngliche Gruppe der Strahlenflosser (Actinopterygii). Sie waren schon – wie Fossilien belegen - vor 70 Mio. Jahren in der späten Kreide in Amerika, Indien, Europa und Afrika verbreitet. Ihre größte Artenvielfalt erreichten sie im Mesozoikum. Es wird vermutet, dass die beiden rezenten Gattungen Lepisosteus und Atractosteus bereits aus dem Paläozoikum (vor 180 Mio. Jahren) stammen und sich seitdem kaum verändert haben.

Heute sind die Knochenhechte nur noch in der Neuen Welt mit sieben Arten aus diesen beiden Gattungen verbreitet. Davon leben die meisten Arten in Nordamerika, von den großen Seen südlich von Quebec bis Florida. Eine Art existiert auf Kuba und eine weitere in Mittelamerika von Mexiko bis Costa Rica: Atractosteus tropicus.

Atractosteus tropicus kommt in drei voneinander getrennten Populationen vor (s.Bild):

  • Karibikseite vom Río Usumacinta in Guatemala bis zum Río Coatzacoalcos im Süden Mexikos
  • Im riesigen Einzugsgebiet des Río San Juan, zu dem der Managuasee und der Nicaraguasee gehören und in die nordöstlichen Flüssen Costa Ricas bis Tortuguero
  • Auf der Pazifikseite vom südlichen Chiapas in México bis zum Río Negro in Nicaragua (Bussing 1987)

Verbreitungsgebiet von Atractosteus tropicus mit den drei Populationen (s.Text)
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Urtümliche Merkmale

Die Namensgebung der Lepisosteiden (griech. lepis, -idos = Schuppe, griech. osteon = Knochen) weist auf ein urtümliches Merkmal dieser Fischgruppe hin, die Knochenschuppen des ganoiden Typs: Knochenhechte besitzen rhombische Schmelzschuppen, die dichtgefügt aneinander liegen und einen dicken Ganoidbelag (dentinähnlich) besitzen.
Primitive Merkmale sind ebenfalls die innerlich heterozerke Schwanzflosse, der Rest einer Spiralfalte im Darm, der Besitz eines Conus arteriosus mit zahlreichen Reihen von Klappen im Herzen und die vaskularisierte Schwimmblase, die als akzessorisches Atemorgan dient. Bei Sauerstoffmangel im Wasser können sie so ihren Sauerstoffbedarf durch die Aufnahme atmosphärischer Luft decken.
Die Ausbildung der Wirbelkörper ist dagegen als fortschrittlich anzusehen und erreicht mit ihren gelenkenden Wirbelkörpern (opisthocoele Wirbel) bei völliger Verdrängung der Chorda die höchste Stufe unter den Fischen. Die Wirbel sind anterior konvex und posterior konkav geformt. Ein bewegliches Hinterhauptsgelenk ermöglicht die Erbeutung von Fischen durch eine seitliche Kopfbewegung.
Der Körper der Knochenhechte ist langgestreckt, die Kiefer verlängert und mit spitzen, nadelartigen Zähnen besetzt. Die Seitenlinie hat 50-65 Schuppen. Die Rückenflosse ist stark posterior verlagert und besitzt wenige Flossenstrahlen. Lepisosteiden besitzen drei Branchiostegal-Strahlen, einen paarigen Vomer (Pflugscharbein) und keinen Zwischenkiemendeckel (Interoperculum).
Die größte Lepisosteiden-Art, Atractosteus spatula (Alligatorhecht), erreicht eine Länge von über drei Metern.

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Der Mittelamerikanische Knochenhecht

Atractosteus tropicus, der Mittelamerikanische Knochenhecht wird auf Englisch „tropical gar“ genannt. In Mexiko heißt er „Catán“ oder „Pejelagarto“(= „Krokodilsfisch“), in Costa Rica „Gaspar“.
Weibchen von Atractosteus tropicus erreichen eine Länge von bis zu 131 cm, Männchen bis zu 93 cm. Analog zu unserem Hecht wächst er sehr schnell.
Mittelamerikanische Knochenhechte bewohnen warme, flache oft stark verkrautete Gewässer wie Lagunen oder Überschwemmungsgebiete, Seen und die Unterläufe großer Flüsse. Kürzere Trockenperioden können sie durch die Fähigkeit atmosphärische Luft zu atmen auch im feuchten Schlamm überdauern. Zum Teil dringen sie bis ins Brackwasser vor.

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Quellen
Siehe Teil 2
Fotos
Michael Werner

 

Michael Werner, Juli 2006


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Konzept und technische Umsetzung: S. von den Berg
Bilddarstellung: Lightbox 2.X by Lokesh Dhakar