Flabellina affinis oder die Violette Fadenschnecke
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Reich
Animalia

Flabellina affinis
Stamm
Mollusca (Weichtiere)
Klasse
Gastropoda (Schnecken)
Überordnung Opisthobranchia (Hinterkiemerschnecken)
Ordnung
Nudibranchia (Nacktkiemer)
Unterordnung Aeolidiidae
Familie
Flabellinidae (Fadenschnecken)
Maße
bis 50mm
Vorkommen
Mittelmeer
Besonderheiten
lagert „gestohlene“ Nesselkapseln ein (Kleptocniden)
Schutzstatus
nicht geschützt

 

Biologie

Normaler Weise schützen sich Schnecken (Gastropoda) durch ihre Schale. Die Nudibranchia haben diesen Schutz jedoch für immer verlassen, bei ihnen ist die Schale sekundär im Larvalstadium reduziert. Es überrascht, dass viele Vertreter dieser Gruppe zusätzlich eine auffällige Färbung haben, obwohl sie nackt scheinbar eine leichte Beute für ihre Feinde sind.

Doch so wehrlos, wie es scheint, sind sie nicht! Die meisten von ihnen schützen sich durch Gifte und Nesselkapseln - das sind kleine explosive Zellen, die bei Reizung einen Nesselschlauch ausschleudern um Gift in ihr Opfer zu injizieren.

Flabellina auf Eudendrion

Nesselzellen

Nesselzellen, auch als Cnidocyten bezeichnet, sind ein spezieller Zelltyp, der ausschließlich von Nesseltieren (Cnidaria) gebildet wird. Es handelt sich dabei um Zellen, die in der äußeren Schicht (Epidermis) der Tiere eingebettet sind und zum Beutefang oder zur Abwehr von Feinden oder Konkurrenz eingesetzt werden können.

Bei den meisten Nesselgiften handelt es sich um Neurotoxine, Gifte die auf das Nervensystem wirken. Sie führen zu einer Blockade des Natrium-Ionen-Transportes an der Zellmembran der Nerven und verhindern damit die Bildung von Aktionspotentialen. Das Resultat sind Lähmungen.
Neben Neurotoxinen enthalten Nesselgifte auch proteolytische Enzyme, die die extrazelluläre Verdauung der Beute einleiten.

Nesselbatterie geladener, abgefeuerter und sich entwickelnder Nesselzellen (1)

Kleptocniden

Die Nesselzellen nimmt Flabellina aus ihren Beutetieren auf: Flabellina affinis ernährt sich von dem Bäumchenhydrozoen Eudendrium (Anthozoa), sie frisst aussschliesslich die Polypen. Die Nesselkapseln (Nematocysten) der gefressenen Beute werden dann über den Darm in die Fäden auf dem Rücken  transportiert und dort eingelagert. Werden die Schnecken angegriffen, explodieren die Miniaturgeschosse. Weil die Schnecke sich die Nesselzellen sozusagen von ihrer Beute, den Nesseltieren, stiehlt, spricht man auch von Kleptocniden (klepto für  "stehlen"; cniden  für  "Nesselzellen", geklaute Nesselzellen).

Die Nematocysten passieren einen Schließmuskel und gelangen in einen Darm-Endsack in den Cerata (Rückenfäden). Dort werden sie bis zu ihrem Einsatz gelagert. Über den Nesselkanal können sie mit einem Sekret nach außen gespritzt werden.

Noch immer ungeklärt ist der genaue Mechanismus des Cnidocytentransports und der Endlagerung. Wie wird erreicht, dass die Nesselkapseln nicht im Inneren der Schnecke explodieren?
 

Bild rechts oben: Darmtrakt einer Fadenschnecke
Bild rechts unten: Rückenfaden im Querschnitt (2)

Merkmale

Flabellina affinis ist eine von drei mediteranen Arten, die durch ihre hell- violette Färbung auffällt. Nur die Cerata sind teilweise orange bis rot, was aber mit ihrer Funktion zusammen hängt. Cerata sind symmetrisch angeordnete, kolbenförmige Rückenanhänge, die Ausläufer der Mitteldarmdrüsen enthalten.

Außerdem schreibt man ihnen eine Atmungsfunktion zu. Sie sind in zwei Längsreihen zu je acht Gruppen angeordnet.
Die Rhinophoren sind, im Gegensatz zu den glatten Cerata, geriffelt und dienen u.a. als Unterscheidungsmerkmal von anderen Flabellina- Arten (z.B. Falbellina pedata). Sie dienen der Chemotaxis und dem Strömungsempfinden.
Flabellina affinis kann eine Größe von 50mm erreichen.
Sie ist zwittrig, die Vermehrung findet fast das ganze Jahr über statt. Dabei werden die Gelege um ein Eudendrionbäumchen gewickelt.
Auf eben diesen findet man sie am häufigsten im Flachwasser bis ca. 30 Meter Tiefe, wo sie dank ihrer Farbe gut zu entdecken ist.
Gelege


Quellen
1) Zeichnung: Prof P. Tardent, Universität Zürich
Fotos
Maren Ziegler

 

Maren Ziegler, Februar 2005


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Konzept und technische Umsetzung: S. von den Berg
Bilddarstellung: Lightbox 2.X by Lokesh Dhakar