Mola mola oder der Mondfisch (Ocean Sunfish)
 
   
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Stamm
Chordata (Wirbeltiere)

Mola mola, der Mondfisch (4)
Klasse
Ostyeichthyes (Knochenfische)
Unterklasse
Actinopterygii (Strahlenflosser)
Überordnung
Teleostei (Echte Knochenfische)
Ordnung
Tetraodontiformes (Haftkiefer)
Familie
Molidae (Mondfische)
Maße
max. 3m, max. 2300 kg
Vorkommen
tropische und gemäßigte Meere (Karte 5)
Schutzstatus
nicht geschützt nach roter Liste

Biologie
Man weiß noch nicht viel über Mondfische. Obwohl sie seit längerem mit Messonden bestückt sind, ist weder ihr Wander- noch ihr Sozialverhalten ausreichend erforscht; auch ihre Laichgebiete blieben bisher unentdeckt. Die wenigen bekannten Fakten sind jedoch eindrucksvoll:
Ein einzelner Mondfisch produziert über 300 Millionen Eier, mehr als jedes andere Wirbeltier. Jedes Ei misst zwei bis drei Milimeter. Die winzigen Larven sind mit nagelartigen Spitzen bedeckt, die sich aber im Laufe der Larvalentwicklung zurückbilden, ebenso kann man die Schwanzflosse noch im Larvenstadium beobachten.
Larvalstadien (2/3)
Im Vergleich zu den Ausmaßen eines adulten Tieres, sind die Larven die kleinsten im gesamten Tierreich. Im Laufe ihrer Entwicklung nehmen sie das 60- Millionenfache ihres Körpergewichts zu!
Der älteste bisher gefundene Mondfisch war ungefähr 120 Jahre alt, es ist allerdings davon auszugehen, dass sie sehr viel älter werden können.
Molas werden häufig in der Nähe von Seetanginseln („kelp- patties“) gesichtet wo sie sich, auf der Seite liegend, mit der Hilfe von Putzerfischen u.a. Medialuna, Oxyjulis, Wimpelfischen Heniochus diphreutes oder von Kaiser- und Falterfischen von ihren zahlreichen Parasiten befreien lassen. Wenn sie Ihre Rückenflosse aus dem Wasser halten- sie sind dann leicht mit einem Hai zu verwechseln- sichtet man sie oft in Begleitung von Möwen, die sie ebenfalls von Parasiten befreien.
Mondfisch vor "Kelp-Patties" (4)
 
Mondfische gehören der Ordnung Tetraodontiformes an, zu der auch die Kugelfische gehören. Während ihre Verwandten sich durch schnelle Wasseraufnahme und damit verbundene starke Körpervergrößerung verteidigen können, saugen Mondfische Wasser aus zwei Gründen an.
Erstens können sie durch mehrmaliges Ansaugen und Ausspucken ihre Beute, in zu bewältigende Stücke, zerkleinern und zweitens sind sie so in der Lage aufdringlich werdende Möwen, die sie eher belästigen als sie von Parasiten zu befreien, los zu werden.
Anders als ihre Kugelfisch- Verwandten können sich Mondfische nicht mit einem äußerst giftigen Neurotoxin, dem Tetratrodotoxin (Saito et al 1991) verteidigen.
Umstritten ist jedoch seine Giftigkeit bei Verzehr.
Putzerfische bei der "Arbeit" (4)

Anatomie

Der Körper dieser skurril anmutenden Tiere ist flach und scheibenförmig. Der Kopf nimmt bis zu einem Drittel des bis 2,50m langen und drei Meter hohen Körpers ein. Mit bis zu 2235 Kilogramm ist er auch das Schwergewicht unter den Knochenfischen.
Die Augen sowie Kiemenöffnung sind verhältnismäßig klein. Gleich dahinter liegen die kleinen Brustflossen; eine enorme Rücken- und eine, in nichts nachstehende, Afterflosse stehen sich gegenüber. Die Schwanzflosse scheint äußerlich zu fehlen, erst bei genauerer Betrachtung erkennt man einen welligen Saum (Clavus) zwischen den beiden Antriebsflossen, der die rudimentäre Schwanzflosse verkörpert.
Mondfische bewegen sich wie Drückerfische, indem sie Bauch- und Rückenflossen gleichzeitig gegen rechts und dann gegen links bewegen.

Sie besitzen ein sehr kleines Maul, welches sie nicht schließen können. Vier ihrer Zähne sind zu Knochenplatten verwachsen, der Name der Ordnung Tertaodontiformes bezieht sich auf dieses Merkmal. Durch diese unflexible Mundöffnung sind sie auf eine effiziente Nahrungszerkleinerung angewiesen, die unter anderem von im Schlund gelegenen, krallenartigen Zähnen erleichtert wird.
Ihre Schwimmblase ist sekundär reduziert.
Ihre Haut ist bis 15cm dick, sekundär ohne Schuppen und sehr rau.

(1)

Namensfindung
Der Mondfisch oder auch Schwimmender Kopf, wie man ihn bei uns nennt, hat viele Namen, deren Ursprünge auf verschiedene Charakteristika zurück zu führen sind.
Nachts schimmert seine Haut silbrig wie der Mond. Allerdings ist das wissenschaftlich betrachtet wohl auf die unzähligen Parasiten auf seiner Körperoberfläche zurück zu führen.
Im angloamerikanischen Raum hält er den sehr gegensätzlichen Namen Sunfish inne. Der Grund dafür liegt in der Angewohnheit der Fische sich tagsüber flach auf das Wasser, zu einem Sonnenbad, zu legen.
Seine lateinische Bezeichnung Mola mola beschreibt ihn als schwimmenden Mühlstein, in Anbetracht seiner Körperform, ein ebenso treffender Name.
(1)

Evolution
Die evoltutionäre Geschichte der Mondfische wird langsam erforscht. Obwohl die Molidae primitiv wirken könnten, sind sie jedoch relativ „junge“ Angehörige der Knochenfische.
Die ersten echten Fische (Knorpelfische) entwickelten sich vor rund 500 Millionen Jahren. Vor etwa 100 Millionen Jahren fand diese Evolution ihren bisherigen Höhepunkt mit den am weitesten entwickelten Fischen.
Erst weitere 50 Millionen Jahre später tauchen die ersten fossilen Funde von Kieferteilen der Molidae auf (Tyler und Bannikov, 1992), die eine Abstammung von Korallenriff bewohnenden Fischen suggerieren. Somit bilden sie vermutlich die modernste Fischgruppe der Meere.

Jäger und Gejagter

Ihre Hauptnahrung besteht aus Quallen, die selbst zu 96% aus Wasser bestehen. Durch ihre besonders dick gestaltete Haut, können ihnen die Nesselzellen nichts anhaben. Außerdem ernähren sie sich von weiteren planktonischen Lebewesen wie Ctenophoren (Rippenquallen) und Salpen.

Auch Schwämme, Schlangensterne, Crustaceen und kleine Fische wurden in ihren Mägen gefunden. Der Fund von Aal- Larven, die nur in tieferen Gewässern vorkommen, zeigt, dass Mondfische sowohl an der Oberfläche als auch in bis 500m tiefe jagen (Norman und Fraser, 1949).
Mondfische haben nur wenige natürliche Feinde. Zu ihnen zählen Seelöwen, die ihnen durch eine Schleudertechnik die Flossen abreißen und den Rest des Fischkörpers meist zurück lassen.
Des weiteren gehören Haie und Orkas zu ihren Jägern. Was Mondfische aber viel mehr schwächt, ist die große Anzahl an Parasiten (40 bis 50 Arten), die sie beherbergen. Dabei bohren sich diese so tief in die dicke Haut hinein, dass nur noch ihre Geschlechtsorgane heraus hängen.
Größenvergleich eines Mondfisches mit einem Taucher (1)  

Gerade durch diesen, für die Fische so lästigen Befall mit Parasiten, lassen sich wichtige Rückschlüsse auf ihre Ökologie treffen.
Wenn zum Beispiel die Larve eines Parasiten auf einer Qualle sitzt, der Parasit selbst aber auf dem Mondfisch lebt, können wir schlussfolgern: Mondfische fressen Quallen.
Auch in die andere Richtung konnten neue Erkenntnisse dazu gewonnen werden:
Mondfische beherbergen Larven einiger Parasiten, deren Endwirt der Hai stellt, folglich jagen Haie Mondfische.
Obwohl Mondfische als Speisefisch ungenießbar sind, landen sie dennoch in großer Zahl als „wertloser“ Beifang in Netzen von Fischern.
Um diese Bedrohung für ihre Art zu minimieren müssen Forscher dringend mehr über die Wanderrouten und Aufenthaltsorte herausfinden. Nur so kann gezielt etwas für den Schutz und Erhalt der Mondfische getan werden.
Anbringen von Sonden zur Erforschung von Mola mola (4)



Quellen
Fotos

 

Maren Ziegler, Dezember 2004


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