Batrachochytrium dendrobatidis
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Ein kleiner Pilz macht große Probleme
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Reich Fungi (Pilze)
Stamm Chytridiomycota
Klasse Chytridiomycetes
Ordnung Chytridiales
Vorkommen In weltweiter Ausbreitung begriffen
Besonderheiten Erst 1999 beschrieben
Meldepflicht Bisher nicht meldepflichtig

 

Einleitung

Im Zusammenhang mit dem weltweit zu verzeichnenden signifikanten Rückgang vieler Amphibienpopulationen („Amphibian Decline“) tritt immer stärker eine Pilzerkrankung, die Chytridiomykose in den Mittelpunkt der Diskussion, welche im Verdacht steht in kurzer Zeit Populationen und sogar ganze Arten auszurotten. Besonders gravierende Bestandseinbrüche durch B. dendrobatidis wurden in Amerika und Australien verzeichnet.


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Der Pilz

B. dendrobatidis wurde erst 1999 von LONGCORE et al. wissenschaftlich beschrieben. Es handelt sich um einen Vertreter des Stammes Chytridiomycota, mikroskopisch kleine Pilze, die meist als Saprobionten (Fäulnisfresser) leben. Die Fortpflanzung geschieht auf asexuellem Weg und Hyphen werden nicht ausgebildet.

Die Pfeile weisen auf Zoosporen.
Charakteristisch für Chytridiomycota ist die Produktion beweglicher Zellen (Zoosporen) im Rahmen ihres Lebenszyklus. Normalerweise wird die Motilität durch ein Flagellum ermöglicht.
Einige Arten der Chytridiales, denen auch B. dendrobatidis angehört, leben jedoch parasitär. Dessen Sporen sind im Wasser beweglich und bis zu drei Wochen überlebens- und infektionfähig. Durch die schnelle Ausbreitung über das Wasser, im Besonderen in Bachläufen, sind vor allem Amphibien gefährdet, die dort vorkommen.
Sein Wachstumsoptimum liegt zwischen 17 und 25 Grad und zeigt im diesem Bereich eine Sterberate der befallenen Population von nahezu 100%. Die Einwirkung von Temperaturen über 30 Grad tötet den Erreger jedoch ab.
Eine im Januar 2006 veröffentlichte Studie zeigte, dass sich der Klimawandel gerade in Mittelamerika besonders zur Verbreitung des Erregers im Hochland von Mittelamerika geführt hat. Populationen ab 400 m sind besonders gefährdet, da der Pilz nun optimale Temperaturen findet und dort lebende Amphibien zusätzlich durch Hitze gestresst und geschwächt sind, was es den Pilz erleichtert, die Tiere zu befallen.


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Diagnose

Der Erreger wurde bei Frosch- und Schwanzlurchen nachgewiesen. B. dendrobatidis parasitiert vornehmlich Bereiche der äußeren Haut, wobei die
An dem Erreger verstorbener Frosch
keratinisierte Hautschicht (Statum corneum) bevorzugt befallen wird.
Bei Kaulquappen sind lediglich keratinisierte Kauapparate befallen und dadurch kaum beeinträchtigt. Anders sieht es dagegen bei Tieren während oder kurz nach der Metamorphose oder aber bei adulten Tieren aus, da diese mehr keratinisierte Hautflächen wie etwa an ihren Extremitäten besitzen.
Die klinischen Anzeichen bei infizierten adulten Tieren sind sehr unspezifisch und verschieden, wie vermehrte Häutungsschübe, Apathie und Krämpfe. Sekundäre bakterielle- oder Pilzinfektionen, die durch Chytridiomykose begünstigt werden, können das Krankheitsbild verstärken. Der Erregernachweis ist nach Eintritt des Todes anhand von entnommenem Gewebe relativ einfach. Hierbei wir eine histologische Untersuchung nach einer Hämatoxylin- Eosin- Färbung durchgeführt.


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Herkunft des Pilzes

Aktuell hat sich basierend auf Museumsmaterial die Auffassung bestätigt, dass es sich um einen evolutionär sehr jungen Pilz handelt, der ursprünglich im südlichen Afrika beheimatet war. Allem Anschein nach wurde er von dort durch den Export von Krallenfröschen (Xenopus laevis) als Versuchstiere um 1940 weltweit verbreitet.
Weiterhin stützt sich die Out-of -Africa Theorie durch viele afrikanische Froscharten, wie eben Xenopus laevis, die an den Erreger gut adaptiert zu sein scheinen.
Forscher fürchten aber auch, dass paradoxerweise sie selbst mit ihren Schuhen die Pilzsporen über die ganze Welt verbreitet haben.


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Schlussbemerkung

Zur Zeit gelten etwa ein Drittel aller 6000 Amphibienarten als vom Aussterben bedroht. Im Vergleich zu allen anderen Wirbeltierklassen sieht ihre Situation wohl am dramatischsten aus. Auch wenn Chytridiomykose als die Hauptursache für die Populationseinbrüche bei Amphibien diskutiert wird ist doch mit Sicherheit die rasante Habitatzerstörung für den Rückgang weitaus ausschlaggebender. Der physiologische Stress, der durch Lebensraumvernichtung und besonders den Klimawandel verursacht wird, sind Faktoren die die Ausbreitung des Pilzes in jedem Falle begünstigen. Gerade Amphibien sind durch ihre dünne, meist von Feuchtigkeit abhängige Haut besonders betroffen, wenn ihre Umwelt sich, wie etwa durch Hitze und neue Infektionen ändert.


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Quellen

Draco Nr. 34, Jahrgang 9 „Die globale Amphibienkriese“
www.amphibiaweb.org
www.puk.ac.za
www.houstonzoofrogs.com
www.flickr.com
www.wikipedia.de

Fotos
Wikimedia commons

 

Falk Sebastian Eckhardt, November 2008


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