Balaeniceps rex oder der Schuhschnabel (Abu Markub)
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Reich
Annimalia
Stamm
Chordata
Klasse
Aves
Unterklasse Neornithes
Überordnung Neognathae
Ordnung
Ciconiiformes (Stelzvögel/ Streitvögel)
Familie
Balaenicipitidae (Schuhschnäbel)
Maße & Gewicht
 
Standhöhe: 115-150 cm - Körperlänge: 100-120 cm Flügellänge ca. 68 cm - Gewicht: 4-7 kg
Vorkommen
 
Papyrussümpfe Ostafrikas (Südsudan bis zum Schari- und Ubangi-Fluß sowie bis nach Nordsambia)
Lebenserwartung
In Gefangenschaft bis zu 30 Jahre
Schutzstatus
Siehe hier

 

Allgemeines

Der Schuhschnabel (oder Abu Markub – Vater des Schuhs) wurde im Jahre 1851 von John Gould entdeckt, doch noch heute gibt er den Wissenschaftlern Rätsel in Bezug auf seine Systematik auf. Er klappert mit dem Schnabel wie ein Storch, fliegt wie ein Reiher und seine Eier erinnern an die der Pelikane. Auf Grund seines Körperbaus wurde er schließlich in die Ordnung der Stelzvögel eingereiht und dort in die Nähe des Storches gestellt. DNS-Untersuchungen bestätigten jetzt die Richtigkeit der Einordnung.

Das wohl auffälligste Merkmal des Vogels ist sein etwa 20 cm langer, und fast ebenso breiter, kräftiger grünlich-brauner Schnabel; damit hat er den größten Schnabel aller heute lebenden Vogelarten. Im Ruhezustand wird der Schnabel auf Brust und Hals aufgelegt.Das Gefieder der Schuhschnäbel ist blau-grau, wobei die Konturfedern an Rumpf und Flügeln heller gesäumt sind. Beide Geschlechter sind gleichermaßen gefärbt. Im Gegezug zu den Störchen – aber gemeinsam mit den Reihern – haben die Vögel zwei Puderdunenbereiche, aber nur eine schwach entwickelte Bürzeldrüse. Die Augen sind hellgelb, am Hinterkopf befindet sich eine kleine Haube. Am Schnabel befindet sich ein hakenförmiger Aufsatz, der zur Jagd dient.
Auf Grund des großen Schnabels sind die Halsmuskulatur und der Schädel sehr kräftig ausgebildet.


Lebensraum und Lebensweise

Schuhschnäbel bewohnen die Papyrussümpfe Ostafrikas. Die Hauptbrutgebiete befinden sich in den Sümpfen des Sudans, Ugandas, Kongo-Kinshasas und Sambias. Aber auch in Äthiopien, Ruanda, Tansania, Zentralafrika, Angola, Botswana, Kamerun, Kenia und Malawi wurde von Schuhschnäbel-Vorkommen berichtet. Allerdings könnte es sich hierbei auch um Verwechselungen mit anderen großen Stelzvögeln gehandelt haben; zumindest waren es keine Brutbestände.

Die Papyrussümpfe sind eine schwer zugängliche Landschaft, daher ist die Lebensweise des Vogels noch nicht vollständig erforscht. Die Sümpfe sind mit Schilf (Phragmites australis), Papyrus (Cyperus papyrus), Rohrkolben (Typha spp.) und anderen wasserliebenden Gräsern, sowie mit Schwimmpflanzen bewachsen. Sie werden vor allem in der Brutsaison bevorzugt; außerhalb dieser findet man den Schuhschnabel auch in saisonal überfluteten Grasländern.

Der Schuhschnabel ist scheu, ruhig und ungesellig. Zwei Vögel halten mindestens einen Abstand von 200 Metern zueinander auf, egal ob es sich um „verheiratete“ Vögel oder „Junggesellen“ handelt. Und auch dann ist es ein Gebiet mit einer vergleichsweise noch hohen Bestandsdichte.

Wie viele Stelzvögel ist auch der Schuhschnabel ein Beutegreifer. Oft steht er stundenlang bewegungslos im flachen Wasser und wartet auf Beute. Wird diese entdeckt, stößt der Vogel blitzschnell zu, wobei ihm der Haken am Schnabel zugute kommt. Trotzdem fällt das Beutegreifen ziemlich unelegant aus: der große Schnabel hat Gewicht, so dass der Vogel beim Zustoßen aus dem Gleichgewicht geraten und vorneüber kippen kann. Zudem scheint dem Vogel auch die Feinmotorik zu fehlen; häufig werden nicht nur die Beute allein, sondern auch mitausgerissene Wasserpflanzen, die der Vogel ohne Verlust der Nahrung nicht loswerden könnte, mitgefressen. Nach jedem Zustoß – egal ob erfolgreich oder nicht – wird der Jagdplatz gewechselt.

Die Nahrung ist vielfältig; der Schuhschnabel frisst größere und kleinere Fische (z.B. den Leopardlungenfisch (Protopterus aethiopicus), den Senegal-Flösselhecht (Polypterus senegalus) oder den Mosambik-Buntbarsch Tilapia mossambica bzw. Sarotherodon mossambicus), Frösche, Wasserschlangen, Warane, junge Krokodile und gelegentlich Wasservögel, Ratten und andere kleinere warmblütige Tiere.

So unelegant die Jagd auch abläuft, im Flug ist der Vogel ist ein eleganter Segler. Er erreicht Höhen von bis zu 500 Metern und verbraucht dabei kaum Energie. Dabei wird der Hals wie bei den Reihern abgeknickt; vermutlich dient der Flug auch der Revierabsteckung.
Beim Fliegen hört man manchmal hohe, schrille Rufe; ansonsten äußert sich das Tier mit schnellem Schnabelklappern.


Eiablage, Brut und Aufzucht der Jungen

Die Brut findet meist in der Trockenzeit statt, um ein Überfluten der Nester zu verhindern. Dabei nimmt ein Brutpaar ein ausgedehntes Revier in Anspruch, das in Sumpflandschaften kreisrund ist, an Seeufern aber streifenförmig.
Das Nest besteht aus Halmen und wird entweder auf kleinen Inseln oder auf einem Schwimmpflanzenteppich gebaut. Das Weibchen legt alle 5 Tage ein Ei, das Gelege ist nach 2-3 Eiern komplett. Das Paar wechselt sich bei Brüten ab. Da gleich nach Ablage des ersten Eies gebrütet wird, schlüpfen die Jungen im Abstand von 5 Tagen. Die Brutdauer beträgt etwa 30 Tage.
Die Jungen tragen zunächst ein graues Dunenkleid und haben zwar einen großen Kopf, aber einen vergleichsweise kleinen Schnabel. Dieser schwillt erst nach einem Monat an, wenn auch die ersten Federn wachsen.
Zunächst werden die Küken recht intensiv von den Eltern betreut, dann allerdings nur noch wenige Male am Tag besucht, um Nahrung im Nest zurückzulassen. Das hat häufig zur Folge, dass das stärkste Küken – meist das erstgeborene – alles alleine frisst und die Anderen eingehen. Erst nach zweieinhalb Monaten kann ein Jungtier auf seinen langen Beinen stehen. Etwa dreieinhalb Monate nach Schlupf versucht ein junger Schuhschnabel erstmalig, allein zu jagen, aber noch vier weitere Monate lang muss er von den Eltern zusätzlich gefüttert werden. Nach 3-4 Jahren ist ein Schuhschnabel fortpflanzungsfähig.
Die im Zoo befindlichen Schuhschnäbel sind Wildfänge; eine Nachzucht in Gefangenschaft war bislang erst einmal möglich.


Schlechte Aussichten für den Vogel?

Der Artbestand umfasst etwa 11.000 Tiere, wovon 9.000 im Sudan leben. Diese Zahl erscheint zwar gering, könnte aber die Überlebenschancen des Vogels durchaus sichern.
In den meisten Ländern, in denen er vorkommt, steht er unter gesetzlichem Schutz, er wird nirgendwo gezielt gejagt und der Fang und Export für Zoos konnte dank der Konvention über den internationalen Handel mit gefährdeten Tier- und Pflanzenarten (CITES) stark vermindert werden.
Trotzdem ist der Schuhschnabel gefährdet. Die Sümpfe Afrikas werden schon länger als nutzloses Land betrachtet, trockengelegt und als Viehweiden oder Anbauflächen verwendet. Häufig erfolgt auch eine Umwandlung in Reisfelder.
Dadurch wird der Lebensraum der Vögel stark eingeschränkt, was sich ohne Zweifel auf den Bestand auswirken wird.


Schutzstatus
Zur Zeit wird der Schuhschnabel als «noch nicht gefährdet» betrachtet. Die fortschreitendeTrockenlegung der Sümpfe lässt allerdings befürchten, dass er dies demnächst sein könnte. Der Weltvogelschutzverband «BirdLife International» (ehem. ICBP) und die Weltnaturschutzunion (IUCN) führen den Schuhschnabel deshalb in der Kategorie «nächstens gefährdet» auf ihrer Roten Liste.


Quellen

 

Silvia Schmook, Januar/Februar 2005

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Konzept und technische Umsetzung: S. von den Berg